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30 April 2007

Bank of America: so wird beim Marktführer gearbeitet

Wetten, dass viele deutsche Bankmanager von den Bedingungen bei der Bank of America (BofA)träumen? Dort fährt man nämlich satte Gewinne mit Privatkunden ein - über ein für deutsche Verhältnisse brutal anmutendes Geschäftsmodell.

Die Arbeit, insbesondere der Verkauf, sind knallhart organisiert. Die Mitarbeiter in den runde 5.800 (!) Filialen bekommen Tagesziele, die unbedingt erfüllt werden müssen. Da ist es auch kein Wunder, dass jeder Benutzer eines Geldautomaten von einem Mitarbeiter der Bank angesprochen werden soll, um aktiv Finanzprodukte zu verkaufen. Cross-Selling steht bei den Kollegen in den USA hoch im Kurs. Dass die Mitarbeiter vor den Filialen potentielle Kunden auf der Strasse ansprechen,ist der Normalfall.

Der Leistungsdruck ist enorm. Zielvorgabe und deren Erfüllung können in der Firmenzentrale taggenau überprüft werden. Wer seine Ziele nicht erfüllt, muss gehen.

Auch in Deutschland wird versucht, dieses Geschäftsmodell nachzuahmen; siehe Team Bank AG (easy credit) oder Fortis mit seinen Kreditshops. Noch ist das eher die Ausnahme als die Regel, aber angesichts der vergleichsweise hohen Filialdichte hier, sollten wir uns nicht wundern, wenn es künftig in deutschen Fußgängerzonen heisst: "Kommen sie näher, kommen sie ran..."

23 April 2007

Fonds: Vorgaben zu Provisionsabsprachen beißen sich

Financial Times Deutschland (23.04.2007):

Ab November gilt mit der EU-Wertpapierdienstleistungsrichtlinie ein neues Grundgesetz für die Finanzbranche. Nicht nur die Banken haben mit den vielen Änderungen zu kämpfen. In dem Wust neuer Vertragsbedingungen verstecken sich etliche Stolperfallen für Anleger.

Die ab November geltende EU-Finanzdienstleistungsrichtlinie und ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) werden die Praxis der Anlageberatung in Deutschland kräftig durcheinanderwirbeln. Die Richtlinie für Märkte in Finanzinstrumenten (Mifid) gibt erstmals europaweit vor, dass Banken und Vermittler die von Produktanbietern erhaltenen Vertriebsprovisionen gegenüber ihren Kunden offenlegen müssen. Zugleich schränkt sie die Annahme solcher Kickbacks ein. Der Grund: Diese Rückvergütungen dürfen laut EU-Vorgabe nur akzeptiert werden, wenn sie die Beratungsqualität erhöhen.
Damit geht die Mifid einerseits über ein neues Urteil des BGH von Anfang März hinaus, bleibt zum anderen aber auch dahinter zurück. So hatte das Gericht entschieden, dass Banken mitteilen müssen, wie hoch die Kickbacks sind. Der Kunde solle wissen, ob die Bank ihm einen Fonds nur empfiehlt, weil sie daran verdient. Bisher haben die Banken solche Provisionen meist verschwiegen.

.....

Den kompletten Artikel finden Sie unter: www.ftd.de/boersen_maerkte/geldanlage/:Vorgaben%20Provisionsabsprachen/189939.html

09 April 2007

Bankrecht: Sittenwidrigkeit hilft nicht

Macht ein Bürger gegenüber der Bank falsche Angaben über seinen Verdienst, kann er sich später nicht auf die Sittenwidrigkeit der Bürgschaft berufen, wenn ihn die Bank in Anspruch nimmt. Das ist das Ergebnis einer Entscheidung des Landgerichts Coburg.

In dem zu entscheidenden Fall hatte eine Frau für ein 50 000-Euro-Darlehen ihres Lebensgefährten gebürgt. Gegenüber der Bank hatte sie dabei ein höheres Einkommen angegeben, als sie tatsächlich erzielte. Als ihr Lebensgefährte das Darlehen nicht mehr bedienen konnte und die Bank von ihr 15 000 Euro forderte, rechnete sie sich arm, um nicht selbst zu haften. Die Bürgschaft habe sie krass überfordert und sei daher sittenwidrig. Beim Landgericht Coburg drang sie mit diesen Argumenten nicht durch. Die klagende Bank habe nicht sittenwidrig gehandelt und auch nicht die emotionale Beziehung der Bürgin zu ihrem Lebensgefährten in unanständiger Weise ausgenutzt. Das Geldinstitut habe auf die Angaben über ihr Einkommen mangels gegenteiliger Anhaltspunkte vertrauen dürfen. Der pfändbare Teil ihres Gesamtverdienstes habe im Übrigen ausgereicht, die festgelegte Zinslast aus dem Darlehen auf Dauer zu tragen (Az: 23 O 949/05).

Quelle: Handelsblatt v. 08.04.2007

04 April 2007

HVB: Mogelpackung "WillkommensKonto"

Die HVB startet zur Privatkundenoffensive. Ein wichtiges Verkaufsmittel: das "kostenlose WillkommensKonto mit Guthabenverzinsung...auch für Bestandskunden"!

Klingt toll und sooooooo fair! Wenn man aber mal ins Kleingedruckte schaut, entpuppt sich das "Willkommenskonto" als halbe Mogelpackung: die 3% Guthabenzinsen gibt es nur für Beträge bis 1.500 Euro und wer das "kostenlose" Konto möchte, muss einen Sparvertrag mit mindestens 25 Euro mtl. Sparrate abschliessen.

Das hat doch alles eines sehr schalen Beigeschmack! Getreu dem Motto "Wir locken die Leute erst einmal in die Filialen....und dann schaun wir mal...."

Übrigens: der Dispo-Zinssatz bei der HVB liegt bei 13,05% p.a.. Das können andere wesentlich günstiger; auch ohne Zwang zu Koppelgeschäften!


Siehe auch: www.1x1girokonto.de/html/hypovereinsbank.html

02 April 2007

1. Sufe der Gesundheitsreform in Kraft

Seit 01.04.2007 ist die erste Stufe der Gesundheitsreform in Kraft. der wahrscheinlich wichtigste Punkt ist die Einführung einer Krankenversicherungspflicht.

In Deutschland leben schätzungsweise 300.000 Menschen ohne Krankenversicherung (nicht mitgezählt illegal in Deutschland lebende Menschen). Hauptsächlich betroffen sind aktiv oder ehemals Selbständige, die irgendwann ihre Beiträge nicht mehr zahlen konnten und denen von der Krankenkasse oder privaten Krankenversicherung gekündigt wurde.

Seit 01.04. können sich ehemalige Versicherte der Krankenkassen bei ihrer alten Krankenversicherung wieder versichern. Die Krankenkassen müssen ihre "alten" Versicherten wieder aufnehmen. Vorerkrankungen oder akute Erkrankungen spielen dabei keine Rolle! Um gerade Selbständigen den Zugang zur Krankenkasse zu erleichtern wurden die Beitragsbemessungsgrenzen gesenkt. Ausserdem gibt es ein Modell für reduzierte Beiträge.

Ganz wichtig: diese Gesetzesänderung bedeutet nicht, dass der Versicherte die Wahl hat. Vielmehr besteht jetzt die Verpflichtung, sich krankenzuversichern!

Weitere details zur Gesundheitsreform finden Sie unter: www.bankmitarbeiter.de/html/gesundheitsreform1.html

24 März 2007

Reits jetzt auch in Deutschland

Nach jahrelangem Streit billigt der Bundestag am 23.03.2007 die Einführung von börsenotierten Immobilien-AGs. In bestehende Wohnungen dürfen Reits nicht investieren. Zum Anschub gibt es zusätzliche Steuervorteile. Experten rechnen mit Börsengängen aber erst im nächsten Jahr.

Was bedeutet Reit?
Reit ist die Abkürzung für Real Estate Investment Trust. Reits sind eine bestimmte Form von “Immobilien AG”. Wesentliches Kennzeichen: Reits sind von der Gewerbe- und Körperschaftssteuer befreit, müssen dafür aber mind. 90% der Erträge an die Aktionäre ausschütten. Diese Ausschüttungen sind dann voll zu versteuern und nicht, wie sonst bei Dividenen, nur zu Hälfte.

Können Reits in alle Arten von Immobilien investieren?
Grundsätzlich ja, aber nicht bei dem deutschen Modell. Hier sind Wohnungen aus dem Bestand für Reits tabu. Damit will der Gesetzgeber verhindern, dass Reits große Wohnungsbestände aufkaufen, um dann z.B. die Mieten zu erhöhen. Bestandswohnungen im Ausland oder Wohnungsneubauten sind davon nicht betroffen.

Wo liegen die Vorteile von Reits?
In anderen Ländern hat sich gezeigt, dass Reits nur geringe Kursschwankungen aufweisen und eine höhere Rendite bringen als andere Immobiliengesellschaften oder Immobilienfonds. Durch die andere Form der Besteuerung können Reits vor allem für Kleinanleger interessant sein; natürlich nur unter Berücksichtigung der mit einer Aktienanlage immer verbundenen Risiken.

17 März 2007

Kein Darlehen ohne Spargroschen?

In der heutigen Ausgabe des Handelsblatt hat Andreas J. Zehnder (Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Privaten Bausparkassen e. V) auf die Risiken einer Vollfinanzierung von Wohneigentum hingewiesen (siehe www.handelsblatt.com/news/Vorsorge-Anlage/Strategie/_pv/_p/204364/_t/ft/_b/1236801/default.aspx/kein--darlehen-ohne-spargroschen.html)

Laut seinem Artikel würden wir ja jetzt in den USA, Großbritannien, den Niederlanden usw. sehen, wohin eine Finanzierung "ohne ausreichendes Eigenkapitalpolster" hinführt: geradewegs in die Pleite!

Jetzt muss man beim Lesen dieses Artikels eine wichtigen Punkt im Auge behalten: Herr Zehnder ist Lobbyist der Bausparkassen und das Kerngeschäft der Bausparkassen ist es nun einmal, Bausparverträge zu verkaufen, damit Otto-Normal-Bürger so Kapital für den Erwerb von Wohneigentum ansammelt. Kein Wunder, dass Herrn Zehnder nichts von Finanzierungen ohne Eigenkapital hält.

Aber Herr Zehnder hat noch ein Problem: Bausparkassen dürfen in dem Markt mit Vollfinanzierungen nicht mitmischen. Schließlich verbietet ihnen der Gesetzgeber Finanzierungen ohne Eigenkapitaleinsatz.

Herr Zehnder begründet seine negative Haltung mit ähnlichen Erfahrungen in den 70er (sagt aber selbst, das die meisten damals die Zinssätze nur für 5 Jahre festgeschrieben haben) und in den USA usw. Nur: Dort gibt es keine festgeschriebenen Zinssätze. Die Zinskonditionen für Bausdarlehen sind dort meist variabel und die steigende Zinsen führen tatsächlich zu erheblichen Kreditausfällen bei den Banken.

Leider hat der Autor nicht besonders gut recherchiert (oder einfach nur so keine Marktübersicht). Vollfinanzierungen sind inzwischen bis 130% des Beleihungswertes möglich und das zu Konditionen, die viele Banken sonst nur "guten" Kunden mit 20-30 Prozent Eigenkapital anbieten. Die Zinssätze können -je nach Anbieter- bis zu 20 Jahre festgeschrieben werden, um so das Risiko steigender Zinsen zu reduzieren.

Es sind auch nicht nur die "Gutverdienenden", die Wohneigentum ohne Eigenkapital finanzieren können, sondern "Normalverdiener"

Am besten aber sind die Schlusssätze:

"Es bleiben Risiken: Etwa durch den Wegfall eines Einkommens in einem Doppelverdienerhaushalt oder durch sinkende Immobilienpreise. Finanzierungen ohne Eigenkapitalpolster kommen also für den Normalverdiener, und dies ist die Masse der potenziellen Hauskäufer, nicht in Frage"

Diese Risiken haben mit der Höhe des Eigenkapitals wohl kaum etwas zu tun, sondern mit der Ratenbelastung an sich (im Verhältnis zum Einkommen). Einkommensverluste, sinkende Imobilienpreise usw. können alle Immobilienbesitzer treffen. Aber: Bei Vollfinanzierungen ist das Risiko, bei einem späteren Verkauf aud Darlehensteilen sitzen zu bleiben tatsächlich höher als bei Einsatz von Eigenkapital.

Als Kundenberater würde Herr Zehner Ihnen sicher den guten Rat geben, jetzt bloß keine Immobilie zu kaufen, sondern erst einmal Eigenkapital anzusparen. Dazu könnten Sie einen Bausparvertrag mit 1% Guthabenzinsen abschliessen. In 10 Jahren haben Sie dann vielleicht das Geld für die Erwerbsnebenkosten zusammen (oder noch ein bischen mehr). Schade nur, dass Ihre Finanzierungsbelastung dann dank gestiegener Immobilienpreise und -vor allem- Zinsen wahrscheinlich deutlich höher ist als heute.

Ihre Miete zusammen mit den Ansparraten für einen Bausparvertrag (o.ä.) würde höchstwahrscheinlich ausreichen, um -jetzt- Wohneigentum sehr solide zu finanzieren.

Aber eines ist mal klar: Wer sich jetzt den Wunsch nach einer eigenen Immobilie erfüllt - und die Rahmenbedingungen dafür sind optimal- braucht keinen Bausparvertrag mehr. Gut für Sie und schlecht für die Bausparkassen und ihren Verbandsvorsitzenden ;o))

13 März 2007

Hypothekenkrise wie in USA auch in Deutschland möglich?

In den USA gibt es eine ausgewachsene Krise im Geschäft mit der Finanzierung von Wohnimmobilien. Nach vorsichtigen Schätzungen von Experten sind dort derzeit rund 2,2 Mio Haushalte (!) bei den Ratenzahlungen für ihr Haus in Verzug - Tendenz steigend. Die ersten Hypothekenbanken haben bereits Konkurs angemeldet.

Ist eine solche Krise auch in Deutschland möglich?

Die Rahmenbedingungen für eine Immobilienfinanzierung in den USA und Deutschland sind kaum miteinander zu vergleichen und funktionieren nach anderen "Gesetzen".

In Deutschland macht man sich auf die Suche nach seinr Wunschimmobilie und kümmert sich anschließend um die Finanzierung dieser speziellen Immobilie. Diese Immobilie wird von der Bank bewertet, ein Bonitätscheck durchgeführt und dann entscheidet die Bank, ob und wie hoch sie diese eine Immobilie finanziert. Kommt es nicht zum Kauf dieser Immobilie, geht das Spiel bei der nächsten Immobilie grundsätzlich von vorne los.

In den USA gehen Kaufinteressenten als erstes zu ihrer Bank oder einem speziellen Anbieter von Immobilienfinanzierungen. Dort wird dann der Finanzierungsrahmen festgelegt -unabhängig von der Immobilie. Wissend, welcher Betrag finanziert wird, kann der US-Bürger sich dann auf die Suche nach einer für ihn geeigneten Immobilie machen. Kommt es tatsächlich zum Kauf, ruft er sein Darlehen bei der Hypothekenbank ab. Der Wert der Immobilie ist dabei zweitrangig.

Ausserdem gibt es in den USA noch zwei weitere unterschiede zum Deutschen Markt:

1. die Finanzierungen sind nie lange festgeschrieben; statt dessen ist es üblich, die Zinskonditionen variabel zu halten. Das war gut, so lange die Zinsen niedrig waren. Das wurde zum Problem, nachdem die Zinsen in den USA stark gestiegen sind. Damit waren und sind viele Hausbesitzer nicht mehr in der Lage, die gestiegenen Zinsraten zu zahlen.

2. in den USA befanden sich die Immobilienpreise im Steigen. Das haben viele Hausbesitzer genutzt, um ihre Immobilie weiter zu beleihen - die Hypotheken waren ja günstig- und damit reinen Konsum zu finanzieren (Auto, Reisen usw.). Nachdem die Immobilienpreise jetzt aber wieder sinken (zum Teil dramatisch), fordern die Hypothelenbanken Zusatzsicherheiten oder die (teilweise) Rückzahlung von Darlehen.

Die Fall hat in den USA also doppelt zugeschlagen:
a) stark gestiegene Zinsen
b) fallende Immobilienpreise

In Deutschland wäre es grundsätzlich auch möglich, dass Banken Zusatzsicherheiten fordern, wenn die Immobilienpreise/-werte sinken. In der Praxis kommt dies aber -bei dem selbstgenutzten Einfamilienhaus (o.ä.) kaum vor. Zum einen sind die Schwankungen nicht so dramatisch, zum anderen kalkulieren Banken eine entsprechende Reserve ein bzw. nehmen bei der Wertermittlung einen Sicherheitsabschlag vor.

Das Problem mit den steigenden Zinsen haben wir in Deutschland auch nicht in der Form wie in den USA. Hier werden die Zinskonditionen langfristig festgeschrieben, womit wir wohl weltweit einzigartig sind. Ausserdem ist es hier unüblich und in der Praxis auch kaum machbar, seine Immobilie immer weiter zu beleihen.

ABER........

Die jetzige Niedrigzinsphase haben viele Bundesbürger genutzt, um sich den Traum von den eigenen 4 Wänden zu erfüllen. Dabei sind viele an ihre eigene Leistungsgrenze gegangen und haben ihre Immobilie falsch finanziert.

Wiso falsch finanziert?

Viele Immobilien wurden nach Standard-Schema-F finanziert: einen Teil über ein Bankdarlehen mit 10jähriger Zinsbindung und 1% Tilgung, ein weiterer Teil über ein KfW-Darlehen mit ebenfalls 10jähriger Zinsbindung und einer Tilgung von ca. 2%. Hinzu kam dann oft noch ein Teil, der über einen Bausparvertrag in 10 Jahren getilgt werden soll.

Und da liegt schon das Problem: viele, viele Finanzierungen wurden zu kurz festgeschrieben ("nur" 10 Jahre) und werden zu niedrig getilgt (nur 1% jährlich). Das bedeutet, dass bei Ablauf der Zinsbindung(en) in 10 Jahren noch ca. 85% des ursprünglichen Darlehensbetrages weitere finanziert werden müssen. Sollte das allgemeine Zinsniveau dann wieder einen normalen Durchschnittswert erreicht haben, können sich die Raten "mal eben" verdoppeln. Und das dürfte für viele Immobilienbesitzer das Aus bedeuten.

Wer also glaubt, dass Zustände wie in den USA hier nicht möglich sind, der irrt. Schätzungsweise in spätestens 3-10 Jahren dürfte es auch hier verstärkt zu Kreditausfällen kommen. Und das KANN beispielsweise auch die Immobilienpreise beeinflussen. Und dann? Vielleicht werden dann ja Gerichte darüber urteilen müssen, ob Banken ihre Kunden hinsichtlich der Risiken einer Immobilienfinanzierung ordentlich aufgeklärt haben

25 Februar 2007

Neu: Hypomed

Seit heute gibt es einen neuen Versuch, etwas Witz und Leichtigkeit in ein so dröges Thema wie Immobilienfinanzierungen zu bringen.

Unter www.hypomed.de finden Sie Informationen zum Thema "Forwarddarlehen". Die Webseite liest sich wie der Beipackzettel eines Medikamentes. Dazu passt, dass es in Kürze auch entsprechende Schachteln geben wird, die aussehen als handelte es sich um Kopfschmerztabletten. In der Schachtel befindet sich nicht nur der Beipackzettel, sondern auch noch zwei Hustenbonbons. Die sind für Kundenberater bei der Hausbank gedacht, wenn er beim Lesen der Angebote von "hypomed" einen Hustenanfall bekommt ;o))

19 Februar 2007

Ganz schön happig: Verbraucherkredite in Japan

Geldautomaten sind weltweit längst etwas völlig normales. In Japan geht das Prinzip einen Schritt weiter: Dort gibt es nicht nur direkt Bargeld, Kunden können an diesen Maschinen direkt Kleinkredite aufnehmen. Das Geschäft mit hohen Zinsen boomt – bislang.

Wer am quirligen Bahnhof Shibuya den Hauptausgang nimmt und nach links schaut, sieht auf dem Dach eines Geschäftshauses eine blaue Werbefläche von der Größe eines halben Tennisfeldes. Der Kreditanbieter Takefuji verkündet, im neunten Stock sei einer seiner „Yen-Shops“. Im Erdgeschoss sitzt eine chinesische Wahrsagerin hinter einem Plastikvorhang. Es lärmt eine Spielautomatenhölle. Der Aufzug quietscht.

Im sechsten Stock hängt ein Schild, das um die Ecke weist. Hinter einer Tür mit der Aufschrift „Yen-Shop“ findet sich lediglich eine enge Ecke mit einer Maschine, die einem Geldautomaten ähnelt. Hier gibt es Geld auf Pump. Jeder, der Bedarf hat, kann auf Tastendruck einen Kredit aufnehmen. Diese Automaten stehen überall im Land, denn Japans Bankkunden dürfen ihr Girokonto nicht überziehen. Sie sind bei akuter Geldknappheit auf solche Yen-Shops angewiesen.

Entsprechend groß ist der Markt. Das jährlich vergebene Kreditvolumen schätzten Analysten in guten Zeiten auf umgerechnet rund zwei Mrd. Euro; zurzeit stehen etwa 34 Mrd. Euro der unbesicherten Kredite aus. Die Anbieter lassen sich das schnelle Geld ohne große Bonitätsprüfung gut bezahlen. Zinsen von knapp 30 Prozent pro Jahr sind die Regel. Für die Kreditfirmen ist das ein lukratives Geschäft mit hohen Margen, denn sie können sich bei der Zentralbank fast kostenlos refinanzieren. Das beschert ihnen satte Gewinne. Doch die Geschäftsgrundlage bricht weg.

In Tokios U-Bahnen werben Rechtsanwälte für ihre Dienste. Das ist in Japan so ungewöhnlich wie in Deutschland, doch die mögliche Kundenzahl für die Kanzleien ist zu groß, um sich das dicke Geschäft entgehen zu lassen. „Haben Sie Sorgen wegen überhöhter Zinsen?“, prangt an den Türen der U-Bahnwagen. Dann folgt eine längere Erklärung in kleiner Schrift, wer gegen seinen Kleinkreditanbieter klagen kann. Darunter steht eine kostenfreie Telefonnummer für die erste Beratung.


Der Gesetzgeber hat den Juristen ein Geschäftsfeld eröffnet und den Kleinkreditfirmen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Parlament verfügte, dass alle Geldverleiher nach einer Übergangsfrist ab 2009 keine Zinsen über 20 Prozent mehr nehmen dürfen. Die bankunabhängigen Anbieter im Kreditgeschäft hatten bis dahin eine Gesetzeslücke genutzt und den maximal zulässigen Zinssatz von 29 Prozent berechnet. Einzige Voraussetzung war bisher das schriftliche Einverständnis des Kreditnehmers – das sich leicht im Kleingedruckten verstecken ließ. Die verbreitete Praxis, Kunden nur schlampig aufzuklären, bietet allerdings nun die Grundlage für Kundenklagen. Das oberste Gericht hat bereits entschieden, dass die Betroffenen bei fehlerhafter Beratung grundsätzlich ein Recht auf Rückzahlung der Zinsen haben. Mit der Klarstellung des Gesetzgebers im Rücken sehen die Anwälte vor Gericht nun besonders gute Chancen auf Erfolg. Um welche Summen es geht, belegen die Rückstellungen der Branche: Rund eine Billion Yen (6,3 Milliarden Euro) haben die Kreditanbieter für die Rückzahlung von Zinsen oberhalb von 20 Prozent beiseite gelegt.


Solche Beträge sind selbst für eine gut verdienende Branche schwer zu schultern. Einer Umfrage des japanischen Konsumkreditverbands zufolge erwägt ein Fünftel der 124 Mitglieder, sich aus dem Markt komplett zurückzuziehen. Nur zwölf Prozent wollen gar nichts ändern, die übrigen werden ihr Geschäftsmodell anpassen oder bei einem Finanzkonzern Unterschlupf suchen.

Der Angriff der Regierung hat zusammen mit einer Reihe von Skandalen den Ruf der Verbraucherkreditanbieter so gründlich ruiniert, dass sich potenzielle Kunden mittlerweile lieber an die Banken wenden, die freilich Bonitätsprüfungen und Sicherheiten verlangen. Während die Kreditläden 2006 drei Prozent ihres Geschäfts verloren, verzeichneten die Banken einen Zuwachs von gut 15 Prozent im Kreditgeschäft. Experten zufolge könnte das Geschäftsvolumen der 16 Verbraucherkreditspezialisten durch das neue Gesetz um fast die Hälfte sinken.

Im der Fernsehwerbung laufen warnende Spots: Ein Glas ist zu sehen, in das ein dünner Strahl Wasser läuft. Das Glas ist schon ziemlich voll, aber eine Stimme sagt: „Etwas geht noch.“ Als das Glas randvoll ist, sagt die Stimmer wieder: „Etwas geht noch.“ Als sich das Wasser oben schon über den Rand wölbt, sagt die Stimme noch einmal: „Etwas geht noch.“ Dann löst sich die Oberflächenspannung, und alles läuft über. Die Mahnung ist deutlich.

Initiiert hat die Kampagne das Verbraucherministerium, denn die Zahl der überschuldeten Japaner ist in den vergangenen 15 Jahren steil gestiegen. Der Finanzaufsicht zufolge haben 2,3 Millionen Japaner bei mehr als fünf Anbietern zugleich Geld aufgenommen, um die Obergrenzen zu umgehen. Die Löhne sind jedoch zuletzt kaum gestiegen – da ist häufig ein Kredit nötig, um einen anderen Kredit bedienen zu können. Vier der sechs großen Kreditanbieter legen wegen der Finanzprobleme ihrer Kunden seit einigen Wochen freiwillig strengere Kriterien an und lehnen jetzt im Schnitt 44 Prozent der Anträge ab. Auch aus Eigennutz, denn der Anteil der faulen Kredite wurde trotz der immensen Zinsen zur Belastung.

Mit den Bonitätsproblemen trat dann ein Phänomen auf, das vermutlich einzigartig für Japan ist. Einige der Kreditanbieter legten ihren Kunden in deutlichen Worten den Freitod nahe, um über verpfändete Lebensversicherungen ihre Schulden zu begleichen. Und die Kreditanbieter nahmen nach offiziellen Angaben im Jahr 2005 drei Milliarden Yen ein, die ihnen Lebensversicherer von Selbstmördern zahlten.

......

Quelle: Handelsblatt v. 19.02.2007

Den vollständigen Artikel finden Sie unter: www.handelsblatt.com/news/Unternehmen/Banken-Versicherungen/_pv/doc_page/1/_p/200039/_t/ft/_b/1227124/default.aspx/der-run-in-die-schuldenfalle.html

18 Februar 2007

Banken: jetzt Samstags geöffnet?!

Die Commerbank möchte am 17.März -einem Samstag- die Filialen öffnen. So die Meldung auf der auf der Bilanzpressekonferenz am 13.Februar. So etwas aber auch!

Damit hat nun wieder einmal die Diskussion um geöffnete Filialen an Samstagen begonnen. Während die Commerzbank das für eine überaus originelle Idee hält, winken die Sparkassen müde ab: "... hatten und haben wir schon!"

Mehr Geschäft soll das bringen; neue Kunden, die sich am Samstag in Ruhe mal ausführlich beraten lassen wollen.

Als ich vor ca. 18 Jahren meine Ausbildung zum Bankkaufmann in einer norddeutschen Volksbank gemacht habe, war es -dort- völlig normal, dass die Hauptfiliale (und die der Sparkasse schräg gegenüber) am Samstagvormittag geöffnet war. Wer am Samstag in die Filiale kam, holte meistens Bargeld oder seine Kontoauszüge ab (Bargeldautomaten und Kontoauszugsdrucker waren noch was ganz neues und wurden nur zögerlich angebommen). Es kamen vor allem die Kunden, die auch unter der Woche genügend Zeit für einen Bankbesuch hatten: Hausfrauen und Rentner. Von gestressten Arbeitnehmern, die den Samstag für eine ausführliche Kundenberatung nutzen wollten, keine Spur.


Für uns Mitarbeiter war der Samstag interessant, weil wir die Arbeitszeit als Überstunden mit 50% Zuschlag verbuchen konnten. Da jeder Kollege im ca. 6-Wochen-Turnus einmal dran war (auch die, die normalerweise keinen direkten Kundenkontakt hatten), hielt sich der Aufwand einigermaßen in Grenzen.

Jetzt meint die Commerzbank mit einer Öffnung an den Samstagen das Ei des Kolumbus gefunden zu haben?! Na, wenn das mal nicht daneben geht. Schließlich sieht der Tarifvertrag für das Bankgewerbe immer noch vor, dass Samstagarbeit mit einem Zuschlag von 50% zu bezahlen oder abzugelten ist. Heisst: die neuen Öffnungszeiten kosten richtiges Geld. Und was kostet, muss auch wieder reinkommen. Sprich: von den Mitarbeitern wird Umsatz erwartet. Da sollte die Commerzbank doch hoffen, dass ihre Kunden nicht merken, dass Umsatzdruck ein schlechter Berater ist.

17 Februar 2007

"Die Welt" über Risiken bei Immobilienvollfinanzierung

Die Welt v. 15.02.2007:Ohne Eigenkapital zum Eigenheim

Immer mehr Bundesbürger nutzen Vollfinanzierungsangebote ausländischer Banken. Inzwischen steigen auch deutsche Kreditinstitute in den Markt ein. Verbraucherschützer sehen den Trend kritisch.Wiesbaden - "In Deutschland entsteht eine neue Kreditkultur", sagt Thomas Arndt, Geschäftsführer der Baufinanzierungsvermittlers Creditweb. Bis vor kurzem mussten Eigenheimerwerber meist 30 Prozent des Kaufpreises mit Eigenkapital stemmen. Inzwischen bieten immer mehr ausländische Darlehensgeber Vollfinanzierungen an - und stoßen damit auf hohe Resonanz: Bei sieben von zehn Hypothekendarlehen, die Creditweb 2006 vermittelte, handelte es sich um 100- oder 110-Prozent-Kredite. In letzterem Fall werden zum Kaufpreis auch die Erwerbsnebenkosten in vollem Umfang finanziert. Den kompletten Artikel können Sie nachlesen unter: www.welt.de/data/2007/02/15/1212723.html

Leserbrief an "Die Welt" zu diesem Artikel:Zu: "Mit hohem Risiko zum Eigenheim"; WELT vom 15. FebruarVollfinazierungen mit hohem Risiko?Ich halte es auch aufgrund meiner 15jährigen Berufspraxis als Baufinanzierungsberater für ein Ammenmärchen, dass Vollfinanzierungen von Immobilien per se riskanter sein sollen als Finanzierungen mit hohen Eigenkapitalanteilen.Entscheidend dafür, ob eine Immobilienfinanzierung langfristig gesund (= tragbar) ist, ist nicht der reine Eigenkapitalanteil, sondern die Höhe der monatlichen Belastung an sich (im Verhältnis auch zu den Einkommenverhältnissen). Die Höhe der monatlichen Belastung richtet sich dabei nach der Höhe des/der Darlehen(s)und nicht nach dem Eigenlapitalanteil.Wir machen die Erfahrung, dass Bauherren -um die überholte Bauernregeln von "mind. 20% Eigenkapital" zu erreichen- oftmals alle zur Verfügung stehenden Reserven (inkl. Zuwendungen aus der Familie) mobilisieren und außerdem entsprechend groß bauen oder kaufen. Kommt es dann später zu Engpässen, z.B. durch Arbeitslosigkeit, Krankheit o.ä., stehen oft keine Reserven mehr zur Verfügung, um kurz- oder mittelfristige Engpässe auszugleichen. Das fatale: viele Bauherren/Käufer wähnen sich in Sicherheit, weil sie beim Bau/Kauf entsprechend viel Eigenkapital eingebracht haben. Dass dieses Eigenkapital nutzlos ist, wenn es mal "eng wird", ist vielen nicht bewusst. Unsere Erfahrung zeigt auch, dass "Vollfinanzierer" in ihren Immobilienwünschen eher bescheidener sind. Diese Kunden wünschen sich vor allem eine mietähnliche Belastung. Sie ordnen ihre Immobilienwünsche meist ihren finanziellen Möglichkeiten unter. Bauherren/Käufer mit hohem Eigenkapital gehen häufig den anderen Weg. Es muss DIE Traumimmobilie sein und "irgendwie schafft man das schon". Bei der Vollfinanzierung ergibt sich unter dem Strich eigentlich nur ein echtes Risiko: das des vorzeitigen Verkaufs. Je höher die Immobilie belastet ist, desto größer ist das Risiko bei einem Verkauf nach z.B. 5 Jahren nicht den Preis zu erzielen, um sämtliche Verbindlichkeiten ablösen zu können. Dieses Risiko ist bei einer Immobilie, in der viel Eigengeld steckt geringer, allerdings: wer viel Eigenkapital hat, baut/kauft meist individueller und muss bei einem späteren Verkauft oftmals höhere Abschläge machen als bei einer vollfinanierten Durchschnittsimmobilie.

Olaf VarlemannBaufinanzierungsberatung,22964 Steinburg

01 Dezember 2006

Girokonto für Jedermann: Bankenverband auf Holzweg

Eher zufällig bin ich über die Webseite des Bundesverbandes auf einen Artikel in "Die Bank" gestossen. Dort rühmt man sich der "Erfolgsgeschichte" des sog. "Kontos für jedermann".

Hintergrund: um einer gesetzlichen Regelung zuvorzukommen, die Banken verpflichtet, auch für z.B. überschuldete Menschen ein Konto auf Guthabenbasis einzurichten, hat der Zentrale Kreditausschuss 1995 eine Empfehlung an seine Mitglieder herausgegeben.

Verbraucherschützer bemängeln immer wieder, dass diese Empfehlung von den Banken häufig unterlaufen wird. Menschen, die -aus welchen Gründen auch immer- in wirtschaftliche Not geraten sind, bekommen bei Banken kaum ein Girokonto auf Guthabenbasis. Im Gegenteil: einige Banken sind berüchtigt dafür, dass sie bestehende Konten z.B. bei Bekanntwerden eines Insolvenzverfahrens o.ä. kündigen.

In dem Artikel (siehe www.die-bank.de/index.asp?issue=122005&art=436) wird auf die Kritik der Verbraucherverbände reagiert: das sei ja alles gar nicht richtig und völlig übertrieben!

Was führt der Autor als Argument an? Er schreibt, dass laut Bundesagentur für Arbeit 97,25% der Zahlungen auf Girokonten gehen. Demnach kann die Zahl derer, die kein Girokonto haben ja nicht so groß sein. Das ist sein EINZIGES Argument und Instrument, um auf die Zahl derer zu schliessen, die kein Girokonto besitzen.

Gegenargument: die Frage ist, auf welche Konten die Bundesagentur für Arbeit Leistungen überweist, denn Leistungsempfänger und Kontoinhaber müssen nicht identisch sein. Dass Menschen ohne Girokonto das Konto von Freund, Freundin, Eltern, Oma und Opa usw. mitnutzen, ist leider häufige Realität. Von der Zahl der angegebenen Kontoverbindungen auf die Zahl der Menschen zu schliessen, die kein Girokonto besitzen, ist also - wohlwollend ausgedrückt- methodisch falsch.

Ausserdem: eine große Zahl von Menschen, denen Banken die Einrichtung eines Girokontos verweigern, beziehen überhaupt keine Leistungen von der Bundesagentur. sollte man auch hier mal ALLE Arbeigeber fragen, ob sie Gehälter immer auf eigene Konten ihrer Arbeitnehmer zahlen?

Auch die Anzahl der Kundenbeschwerden beim Zentralen Kreditausschuss soll ein Hinweis darauf sein, dass die Zahl derer, denen ein Girokonto verweigert wird. verschwindend gering ist. Was der Autor, der wahrscheinlich nie selbst in einer vergleichbaren Situation steckte, nicht berücksichtigt: wem von mehreren Banken ein solches Girokonto verweigert wurde, ist kaum motiviert, den Weg "durch die Instanzen zu gehen, sondern resigniert meistens. Abgesehen davon, dass wohl nur die wenigsten wissen, dass es überhaupt eine "Beschwerdemöglichkeit" gibt.

Zyniker mögen anmerken, dass es doch keine Rolle spielt, ob jemand einen direkten Kontozugang hat oder sich des Kontos eines Freundes oder Familienmitgliedes bedient. Diese Zyniker sollten dann allerdings mal daran denken, was mit diesem Umweg verbunden ist (Kosten, Aufwand, Abhängigkeiten und kein Selbstbestimmungsrecht über das eigene Geld).

Es wird dringend Zeit, dass der Gesetzgeber einschreitet. Die Selbstverpflichtung zum "Konto für Jedermann" ist das Geld nicht wert, auf der sie geschrieben wurde.

29 November 2006

Xing geht an die Börse

So,so...die Internetkontaktbörse Xing (ehemals openBC) will an die Börse...und dabei mal eben 100-200 Mio Euro an frischem Kapital einsacken...für die Expansion...vor allem in China...

Xing wäre nicht das erste Unternehmen, das bei seinen Geschäften in China vor allem eine Erfahrung macht: alles, was Profit verspricht, wird kopiert...und Xing zu kopieren, ist technisch überhaupt kein Problem...

12 November 2006

Commerzbank will Privatkundengeschäft ausbauen

Die Commerzbank will ihre renditeschwache Privatkundensparte durch eine Produktoffensive auf Trab bringen. Ziel sei es, die Kundenzahl von derzeit rund 5 Millionen in den nächsten drei Jahren um 800 000 zu erhöhen, kündigte Commerzbank-Vorstandsmitglied Achim Kassow an. Dazu will Deutschlands zweitgrößte Bank, die derzeit im Kreditgeschäft und in der Informationstechnologie 900 Stellen streicht, im Vertrieb kräftig einstellen: „Wir schaffen 700 Arbeitsplätze“, kündigte Kassow an. Rund 500 Mitarbeiter sollen im kommenden Jahr im Filialgeschäft eingestellt werden, der Rest werde nach und nach von der Online-Bank Comdirect angeheuert.

Rund 250 000 der Neukunden will Kassow im klassischen Filialgeschäft der Commerzbank gewinnen. Dreh- und Angelpunkt dafür ist eine Produktoffensive. Ab Dezember will die Bank ebenso wie einige Wettbewerber ein kostenloses Girokonto anbieten. Schon seit einem Monat bietet die Commerzbank ein hochverzinstes Anlageprodukt an. Damit seien bereits 30 000 Neukunden gewonnen worden, verkündete Kassow.

In den nächsten 3 Jahren will man so rund 400 Mio Euro investieren!

Dass 700 neue Arbeitsplätze geschaffen werden sollen, ist ja "nett", nur frage ich mich, unter welchen Bedingungen die Kollegen arbeiten werden. Auf jeden Fall werden sie unter ergeblichem Erfolgsdruck stehen. Und werden es wirklich Angestellte oder eher "Freiberufler" (selbständige Handelsvertreter) mit denen die ComBa ihre Ziele erreichen will?

Ich frage mich allerdings, wofür die ComBa 400 Mio ausgeben will? Allein die Gehälter der neuen Mitarbeiter (inkl. aller damit zusammenhängenden Kosten) können das ja nicht sein (entspräche rund 190.000 Euro je Mitarbeiter pro Jahr).

Vielleicht folgt man aber der Strategie der Comdirect und bietet die Produkte z.B. auch über sog. Partnerprogramme im Internet an, zu Provisionen, die jetzt schon deutlich über dem Durchschnitt liegen. Das wäre für uns fein, denn schließlich verkaufen wir über unsere Webseiten(n) einige Giro- und Tagesgeldkonten für die Comdirect. Damit wäre es alerdings in dem Augenblick vorbei, in dem die Comdirect auch Immobilienfinanzierungen anbietet.

02 November 2006

Web 2.0-Blase schon wieder geplatzt?

Ja, da war die Freude gross: google übernimmt für über 1 Mrd Dollar das Internetportal youtube! Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich und schon sehen alle wieder die nächste grosse Internetblase heranwachsen. In Garagen geborene Unternehmen mit einer Idee aber ohne Substanz wechseln wieder für richtiges Geld den Besitzer. Heissa!

Tja, nur scheint die sog. "Web 2.0-Blase" gerade eindrucksvoll zu platzen. Und das ausgerechnet in dem Segment, dem man die Zukunft schlechthin bescheinigt hat: den Portalen, die die user selbst mit Inhalten füllen.

Das Problem dabei: diese Inhalte, z.B. selbstgebastelte Video-Clips, verletzten häufig Urheberrechte z.B. der Musikfirmen. Und die finden das alles andere als lustig. Gleiches gilt z.B. auch für die Sportligen in den USA.

Bisher hat eine Plattform wie Youtube eher Verluste prodiziert, aber jetzt dank google steckt ein Unternehmen mit Kapital dahinter. Und siehe da: Musikverlagen und Sportligen in den USA reagieren bereits und schicken ein paar saftige Abmahnungen an die neuen Chefs und Eigentümer.

Besonders "frech" von diesen Firmen: sie sehen überhaupt nicht ein, warum sie selbst sich die Arbeit machen sollen, um urheberrechtlich geschütze Inhalte zu finden. Youtube soll solche Inhalte gar nicht erst auf die Webseite lassen. Tja, und das wird dann schon etwas komplizierter und arbeitsintensiver. Das paast irgendwie nicht zu dem Konzept, andere die Arbeit machen zu lassen.

Wenn sich beispielsweise die Musikindustrie durchsetzt, bleiben die meisten Videoclips wahrscheinlich demnächst stumm. Und ob das dann noch die Anziehungskraft hat wie jetzt?

Die spitze Nadel ist schon dircht an der neuen Internetblase. Wir dürfen gespant sein, wann sie zusticht!

01 November 2006

Bundeswehr: von Totenschädeln und Wehrmachtssymbolen

Da schau doch einer mal hin: unsere Bundeswehr! Da laufen also ein paar Soldaten in Afghanistan rum und machen alberne Fotos mit irgendwelchen Schädeln, die sie auf einer Patrouille in irgendeiner Kiesgrube gefunden haben. Ja, das ist schon schlimm! Ein Unding! Ein Skandal! Das Ende der zivilisierten Welt ist nahe!

Sie finden solch ein Verhalten beschämend und unwürdig? Sie haben Recht! Nein, sie hätten recht! Sie hätten recht, wenn es sich dabei um irgendwelche Stabssoldaten mit Beamtenstatus handeln würde.

Aber: In Afghanistan als Soldat Dienst zu schieben, ist etwas anderes als in Deutschland Inventarlisten für Feldbetten zu prüfen! Die Jungs da unten müssen damit rechnen, dass sie beim nächsten Zählappell nicht mehr "Hier!" rufen können, sondern stattdessen in Plastikfolie eingepackt den Heimflug antreten.

Worüber regt man sich sich da im empörten Deutschland auf? Über alberne Fotos, mit denen unsere Soldaten ein bischen Dampf und Druck ablassen und letztlich sich selbst auf die Schippe nehmen?

Andernorts werden in vergleichbaren Militäreinsätzen wehrlose Gefangene misshandelt und Frauen vergewaltigt - und jetzt die Aufregung wegen solcher Fotos? Da werden Soldaten suspendiert und aus der Bundeswehr geschmissen, weil sie blöde und sicher auch geschmacklose Fotos gemacht haben? Da stimmt doch etwas mit den Relationen nicht!

Es ist sicher völlig daneben, Symbole von Rommels Africa-Corps auf irgendwelche Jeeps zu sprühen. Dafür würde ich den Übeltätern 20-40 Stunden politischen Unterricht inkl. Besichtigung einer KZ-Gedenkstätte auf´s Auge drücken. Das müsste eigentlich reichen, um diesen Leuten klar zu machen, dass sie -vor 6 Jahren!- komplette Deppen waren und die Glorifizierung von Personen wie Rommel unentschuldbar ist.

Über Strafen für Soldaten, die an solchen Aktionen beteiligt waren, sollten jetzt Menschen entscheiden, die sich bereits in einer ähnlichen Situation wie die Soldaten selbst befunden haben und nicht irgendwelche Bürokraten, die nicht einmal ansatzweise verstehen, was da unten so vorgeht.

31 Oktober 2006

Krankenversicherer fälschen Unterschriften

Nach Beschluss der Gesundheitsreform haben private Krankenversicherungen dafür gesorgt, dass "aufgeregte Versicherte" (= deren Kunden) den Bundestag mit Protestschreiben bedenken. Ca. 100 solcher -handgeschriebenen- Briefe sollen bei jedem (!) Bundestagsabgeordneten angekommen sein.

Tolle Lobbyarbeit - könnte man meinen, aber: von einigen dieser Briefe wussten die Versicherten, also die Kunden, überhaupt nichts. Schon peinlich, wenn einer der Abgeordneten ein Protestschreiben von einem Freund bekommt, der aus allen Wolken fiel als er erfuhr, welch regen Schriftverkehr er da so führt. Und irgendwie fiel auch sonst auf, dass sich die Handschriften der Absender doch stark ähneln.

Tja, wirklich dumm gelaufen. Private Krankenversicherungen, die Unterschriften ihre Kunden fälschen?! Aber natürlich sind das alles Einzelfälle! Das sagt zumindest der Verband der Privaten Krankenversicherungen. Und wenn es nur ein einziger und damit echter Einzefall wäre: wir danken für den tiefen Einblick in das Geschäftsgebaren der Krankenversicherer und hoffen, dass die Staatsanwaltschaft die Damen und Herren, die das angezettelt haben, deutlich in die juristischen Schranken zurückweist.

Wenn Sie als DAK-, AOK- oder sonst wie gesetzlich Versicherter demnächst Pot von einer Privaten bekommen: es könnte Ihre Versicherungspolice sein, denn die unterschreiben die Versicherer künftig selbst. Ist doch auch viel einfacher als das ganze Rumgehampel mit Ihnen als Kunden!

29 Oktober 2006

Privater Geldverleih via Internet

Laut "Die Welt" kann bald jede Privatperson über das Internet Geld gegen Zinsen verleihen und so seine eigene Minibank werden. So soll es demnächst ein Portal geben, das Kredite vermittelt und dafür Provision erhält. Noch gibt es allerdings rechtliche Bedenken gegen diesen neuen Service.

Vorbild für diese neue Handelsplattform ist das britische Unternehmen Zopa Ltd. Wer zuviel Geld hat und es verleihen will, teilt dort Betrag, Zeitraum und seine Konditionen mit. Wer auf der anderen Seite einen Kredit benötigt, gibt dort ebenfalls Betrag, Zeitraum und den Zinssatz an, den er zu zahlen bereit ist. Stimmen Angebot und Nachfrage überein, vermittelt Zopa das Geschäft. Dafür verlangt das Unternehmen von beiden Beteiligten eine Gebühr in Höhe von je 0,5 Prozent des verliehenen Betrages. Kredite sollen so ca. 0,5% billiger sein als die von etablierten Banken.

Schattenseite des Modells ist der fehlende Einlagensicherungsfonds, der bei Banken die Kundengelder im Falle einer Insolvenz schützt. Deshalb hat Zopa eigene Sicherungsmechanismen entwickelt: Kreditnehmer werden genau wie bei den Banken überprüft und in Bonitätsklassen eingestuft, bei säumigen Kreditrückzahlern beauftragt Zopa ein Inkassounternehmen. Zudem wird eine Versicherung gegen Zahlungsausfall vermittelt.

Eine ähnliche Plattform ("ebay-credits"?) soll es bald auch bei uns geben. Allerdings könnte es Probleme mit dem Gesetz über das Kreditwesen (KWG) geben. Für den Betreiber einer solchen Kreditplattform reicht ein Gewerbeschein, aber die einzelnen Geldverleiher müssen mit Konsequenzen rechnen, wenn sie ohne Erlaubnis gewerbsmäßig Kredite anbieten.

20 Oktober 2006

So treibt man seinen Nachbarn in den Wahnsinn

Mit einer wahren Flut falscher Bestellungen hat ein Mann aus Schleswig-Holstein seinen Nachbarn beinahe in den Wahnsinn getrieben - nun hat der Fall sogar das Bundesverfassungsgericht beschäftigt (keine Ahnung warum). Bei 35 Firmen hatte der Mann Waren und Dienstleistungen unter dem Namen seinen ungeliebten Nachbarn bestellt. Dem geplagten Opfer sollte u.a. mehrmals Heizöl geliefert werden. Nicht bewiesen werden konnte der Vorwurf, einmal sei sogar der Pfarrer zur letzten Ölung erschienen.

Wer jetzt auf den Geschmack kommt und überlegt, wie er (oder sie) seinem bösen Nachbarn ähnliches Glück zuteil werden lassen kann, hier ein paar Ideen:

- kurzer Brief an die Zeugen Jehovas: sie hätten da gerne mal ein paar Infos...
- schreiben Sie in einem der einschlägigen Foren, dass sie im Lotto gewonnen hätten und nun nach sinnvollen Investitionsmöglichkeiten suchen (Name und Anschrift nicht vergessen!)

Wer es ausprobieren möchte, sollte allerdings damit rechnen, dass es mächtig Ärger gibt. Insoweit kann ich nur abraten, derartige Gelüste in die Tat umzusetzen!

Noch einer!

Folgenden Artikel habe ich heute in den Lübecker Nachrichten gelesen. Tauschen Sie doch einfach Ort und Alter aus, schicken das ganze per E-mail ein eine "liebe" Kollegin und fragen "Geht´s dir wieder besser?":

4,14 Promille - Polizisten finden volltrunkene Frau in Bad Segeberg

Bad Segeberg (dpa/lno) - Polizisten haben in der Nacht zum Freitag in Bad Segeberg eine volltrunkene Frau aufgegriffen. Anwohner hatten die hilflose 37-Jährige in einem Hauseingang entdeckt und die Beamten alarmiert, sagte ein Polizeisprecher. Bei der Überprüfung der Frau registrierte eine Streifenwagenbesatzung einen Alkoholwert von 4,14 Promille. Ein Arzt stellte bei einer Untersuchung keine lebensbedrohlichen Auswirkungen ihres Vollrausches fest. Die 37- Jährige verbrachte den Rest der Nacht darum nicht im Krankenhaus sondern in einer Ausnüchterungszelle.